Pferde

Die Untersuchungen des aus nahezu allen Bundesländern eingeschickt Probenmaterials haben immer weiter verschwimmende Endemiegebietsgrenzen der Bornaschen Krankheit ergeben. Die früheren klassischen endemischen Gebiete in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind kaum noch auszumachen. Nahezu in jedem Bundesland existieren klassisch und atypisch BDV-erkrankte Pferde mit nachweislichen, spezifischen BDV-Titern. Außerdem konnte eine Prävalenz des Auftretens der Krankheit und auch der Infektion beim Sportpferd gegenüber Ponys und Kaltblütern ausgemacht werden. Weiterhin konnte eine jahreszeitliche Rhythmik beim Auftreten der Infektion und Krankheit erkannt werden. Zwischen Mai und August war die relative Häufigkeit kranker, infizierter Tiere besonders hoch. Lesen Sie weiter bei http://www.vetion.de/taspezial/detail.cfm?aktuell_id=11345

History:

Berichte über das typische Krankheitsbild beim Pferd geistern schon seit 1660 in der Pferdeliteratur herum. Den Namen verdankt das Virus der Kreisstadt Borna in Sachsen, wo diese Infektion erstmalig in seuchenhaftem Umfang auftrat. Befallen werden von diesem Virus sowohl Menschen als auch Tiere, bei letzteren vor allem Pferde und Schafe, aber auch Katzen, Kaninchen, Ratten, Mäuse, sogar Strauße und Papageien, Zootiere, seltener Rinder.

 

Heute:

Die bisher auf seroepidemiologischer Basis erhobenen Daten bestätigten dann auch, daß die BDV-Infektion weltweit viel stärker verbreitet ist als in früheren Jahren vermutet, in denen BDV noch als exotischer seltener Erreger einer seltsamen Pferdekrankheit galt. Die tatsächliche latente Durchseuchung, insbesondere beim Menschen, ist vermutlich noch höher einzuschätzen als mit den heutigen Methoden erfaßbar ist. Praktisch jeder Dritte ist damit latent infiziziert. Es wird von 30 - 40 % latent Borna-Infizierte in der Bevölkerung ausgegangen, 5 % von ihnen erkranken ernsthaft mit Selbstmordabsichten - siehe dazu Bornavirus human.

Bei den Pferden sind ca. latent 60 % infiziert, was nicht heißt, dass sie immer akut erkrankt sind. Der volle (tödliche) Ausbruch der Borna'schen Krankheit, wo die meisten Pferde eingeschläfert werden müssen (ohne Amantadininfusionen) ist heute relativ selten. Das Gros der Pferde sind gut behandelbar, entweder mit der Schulmedizin oder mit alternativen Behandlungsmethoden.

 

Die folgenden Seiten nehmen Bezug bzw. sind Ausschnitte aus der folgenden Habilitationsschrift von Dr. Liv Bode:

Borna Disease Virus - natürliche Infektion und Krankheit bei Tier und Mensch - Wissensstand und Neubewertung von Diagnostik, Pathogenese und Epidemiologie unter Einbeziehung eigener Studien

Die BDV-bedingte Erkrankungs- und Todesrate wurde wegen der Erfahrungen mit der oft fatalen Borna’schen Krankheit der Pferde und Schafe als sehr hoch eingeschätzt (90%). Diese Ansicht hat sich auch deswegen teilweise hartnäckig bis heute halten können, weil Tierexperimente ebenfalls Krankheit und Tod auslösen konnten, allerdings eben nur mit hoher Virusbelastung und nicht bei jeder Labortierart.


Neue Methoden ermöglichten die intra vitam - Diagnostik im Blut und öffneten damit ein bis dahin unbekanntes Fenster zu einem grundlegend anderen Verständnis von Infektion und Krankheit.

 

Nicht die Krankheitsrate sondern die Überlebensrate liegt bei weit über 90%, weil es viele Infektionen ohne Krankheit gibt. Die tödliche Form der Borna'schen Krankheit beim Pferd stellt sich heute als Ausnahme dar, gegenüber den viel häufigeren remittierenden Krankheitsepisoden und subklinischen Verläufen.

Über latente Infektionen war auch früher bereits berichtet worden, aber ihre Häufigkeit konnte erst mit den neuen Diagnosemöglichkeiten eingeschätzt werden.

In Deutschland wird nicht mehr gegen die Borna-Erkrankung geimpft. Sie wurde 1992 verboten aufgrund von berechtigten Zweifeln an der Impfung.