Publikationen und Studien zum Bornavirus Bunthörnchen, Pferd, Katze, Papagei

FLI-Forschung Bunthörnchen-Bornavirus 1

16.3.16: Spurensuche - woher stammt das VSBV-1?

Es wird fieberhaft danach gesucht, wo die Hörnchen das Virus her haben könnten, bis jetzt hat offensichtlich noch keiner eine Idee. Da es bereits in 5 Bundesländern aufgetaucht ist, ist ein Reservoir in Deutschland zu vermuten - womöglich eine Mutation bereits weitflächig vorhandener Wirtstiere? Was in allen Gehegen Zutritt hat, ist die Maus, genauer gesagt die Spitzmaus, denn darüber gab es bereits in 2006 weitreichende Studien aus der Schweiz und aktuell wieder in 2014, wo die Spitzmaus als eine der Überträger erkannt wurde bei Pferden (die Maus ist nicht der einzige Überträger)  siehe http://www.barnboox.de/wissensdatenbank/fachartikel/borna-virus-bei-pferden-der-%C3%BCbertr%C3%A4ger-ist-eine-spitzmaus. Diese neuen Mausstudien wurden in Sachsen-Anhalt durchgeführt, wo auch die ersten Meldungen vom VSBV-1 herkamen.

Wie in den News hier im humanen Teil zu lesen ist,  können, ist das VSBV-1 am nächsten verwandt mit dem BDV ( 2014 wurde das Bornavirus vom ICTV (International Committee on Taxonomy of Viruses) umbenannt - von Borna Disease Virus in Mammalian 1 Bornavirus.  Mammalian 1 Bornavirus ist das Virus , das die Bornavirus-Erkrankung bei der Gattung Säugetiere und hohe Mutationsraten beim Menschen bewirkt! ) der Menschen, das wiederum eng verwandt ist mit dem Bornavirus der Pferde, bitte dort mal nachlesen!

Nochmal als Erinnerung von 4/2006 vom schweiz. CDC: http://www.cdc.gov/ncidod/EID/vol12no04/05-1418.htm
Auszug: "Das Ziel dieser Studie war zu Suche nach den vermeintlichen natürlichen Reservoirwirten oder Vektoren von BDV in einer Umgebung, in der BD in Pferden und Schaf endemisch ist. Acht Maulwürfe, 3 Spitzmäuse und 87 Mäuse von anderer Art wurden zwischen 1999 und 2003 in einem kleinen Dorf nahe Chur, der Schweiz (Malix, das sich 1130 m über der Meereshöhe befand), einem Bereich eingefangen, in dem BD in Pferden und Schaf endemisch ist. "
Die Nagetiere wurden mit verschiedenen Testmethoden untersucht in Labors in Zürich und Wien. Interessantes Ergebnis: nur die Spitzmäuse trugen das Bornavirus. Die Sequenz zeigte 99,9% Identität zu einer von einem Pferd abgeleiteten BDV Sequenz (GenBank Neuanschaffung Nr. DQ251042), das an BD nahe dem Standort, wo die Spitzmäuse eingefangen wurden, und zu einer BDV Sequenz von einem anderen Pferd aus dieser Region (GenBank Neuanschaffung Nr. AY374547) starb, die sich bis nur 1 unterschied, nt und 2 nt, das die Identität von BDVs in diesem Bereich beziehungsweise bestätigt.
Auch Ratten wurden untersucht, auch sie tragen den Bornavirus, unterscheiden sich aber dennoch, so dass die Forscher zu dem Schluss kommen, dass "Spitzmäuse das natürliche Reservoir für die Übertragung des Bornavirus sein müssen"

Ende Auszug

9.7.15: Den neuen Berichten nach bis jetzt keine weiteren Fälle vom VSBV-1 gefunden

Zitat: Danach waren die drei Männer 60 Jahre oder älter und hatten andere Erkrankungen, die möglicherweise um ihre Reaktion auf das Virus beigetragen haben. Alle drei waren Freunde und alle waren Mitglieder der gleichen Eichhörnchen-Zuchtverband, sagte der Forscher. Und mindestens zwei von ihnen wurden bekanntlich durch ihre Eichhörnchen zerkratzt und eine gebissen worden ist, nach der Studie.

Symptome des Virus sind Fieber, Schüttelfrost, und niedriger Energieverbrauch, so die Studie. Die Symptome der Enzephalitis sind Schwerfälligkeit, ein unsicherer Gang, Verwirrtheit, Desorientiertheit, Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Lichtempfindlichkeit, Nackensteifigkeit und Erbrechen nach der US Nationalen Institut für Neurologische Erkrankungen und Schlaganfall.
Die infizierten Eichhörnchen zeigten keine Anzeichen der Infektion und die Ursache der Infektion ist noch unbekannt, sagte er. Ob die Tiere vertraglich das Virus in der Zuchtanlage oder brachte es mit ihnen aus Lateinamerika ist nicht bekannt. Bisse oder Kratzer sind eine wahrscheinliche Weg der Übertragung.  Bis jetzt gibt es keine Hinweise, dass andere Arten Eichhörnchen infiziert werden können.

Quellen: http://consumer.healthday.com/cognitive-health-information-26/brain-health-news-80/exotic-squirrels-transmit-deadly-virus-to-breeders-study-finds-701144.html und http://health.usnews.com/health-news/articles/2015/07/08/exotic-squirrels-transmit-deadly-virus-to-breeders-in-germany-study-finds

 

Weiteres Zitat: Allerdings ist die neue Studie nicht endgültig beweisend dafür, dass dieses Virus die Enzephalitis verursacht, stellten die Forscher fest. Dennoch, bis mehr Forschung darüber vorhanden ist, sollten Fütterung oder direkten Kontakt mit lebenden oder toten bunten Eichhörnchen vorsorglich vermieden werden", sagte der ECDC.

Viele Fragen bleiben, auch die, wo das Virus natürlich "lebt" und wie es übertragen wird. Darüber hinaus könnten die Menschen mit ungeklärter Enzephalitis auch für das Virus getestet werden, sagte der Forscher. 

Quelle: http://www.livescience.com/51492-new-squirrel-virus-strain-suspected-in-deaths-of-3-in-germany.html

 

20.2.15: Bornavirus (VSBV-1)jetzt auch bei einem Bunthörnchen gefunden!

Zusammenhänge mit an einer tödlichen Hirnhautentzündung gestorbenen drei Züchtern

http://www.bnitm.de/aktuelles/mitteilungen/797-neues-bornavirus-bei-bunthoernchen-entdeckt-moeglicher-zusammenhang-mit-infektionen-bei-menschen/

Sequenziert wurde das neu entdeckte Bunthörnchen-Bornavirus vom FLI mit einem PCR-Test. Publiziert wird es in allen größeren Medien. Stellvertretend nehme ich davon die Frankfurter Allgemeine:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/bornaviren-bei-bunthoernchen-gefahr-fuer-den-menschen-13445895.html

In diesem Bericht etwas weiter unten gibt es einen Link "Mehr zum Thema" mit der Überschrift "Forscherstreit: Sind Depressionen ansteckend" aus 2003 siehe http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/forscherstreit-sind-depressionen-ansteckend-1113600.html

Dr. Beer vom FLI, das die Sequenzierung durchgeführt hat über das neue Virus, teilt mit: "Die Analysen ergaben weniger als 75 Prozent Übereinstimmung zwischen dem neuen Erreger und anderen Bornaviren".
Das wären umgekehrt mehr als 25 % Abweichung. Damit dürfte es ähnlich in der Abweichung von der BDV sein wie das Avian-Bornavirus, das eine Übereinstimmung von 3/4 hat, also auch 75 %.
Für das Avian-Bornavirus gibt es eine Doktorarbeit aus 2011 - siehe den Thread aus dem Vet-Teil des Forums: viewtopic.php?f=9&t=752&start=10
Darin steht auch sehr viel über das BDV - Ist interessant in Bezug auf die vielen Gemeinsamkeiten

Eine andere deutsche Doktorarbeit wurde auch im zweiten Anlauf jetzt Ende 2014 abgelehnt. Diese Tierärztin war damals in 2005 bei den umfangreichen Bornavirusstudien veterinär involviert)

Siehe dazu auch unseren Beitrag in unserem Forum unter
http://chronische-infektion.de/viewtopic.php?f=13&t=1599&sid=9453a356a8e9f90d03d900d7c949d2b5 - neue Fakten werden dort ergänzt.

 

Nicht nur die neue Variante Bornavirus bei Bunthörnchen verursacht tödliche Hirnhautentzündungen, sondern auch die Variante bei den Pferden verursachte bei den schweren Fällen genau das Gleiche und was Hirnhautentzündungen beim Menschen betrifft, dürfte es nach meiner Meinung und den vielen Erfahrungswerten seit 2006 sicher sein, dass in den meisten Fällen in der Vergangenheit nicht auf Bornavirus untersucht wurde!

Tierärztekammer Schleswig-Holstein bittet um Unterstützung bei der Beprobung von Bunt- und Schönhörnchen auf das Bunthörnchen-Bornavirus 1

11.3.16: Das Bunthörnchen-Borna 1 Virus (Variegated squirrel 1 bornavirus, VSBV-1) wurde im vergangenen Jahr bei mehreren Bunt- und Schönhörnchen nachgewiesen. Anfang 2016 wurden durch das FLI weitere VSBV-1-Fälle bei verschiedenen Schönhörnchen-Arten (u.a. Prevost-Schönhörnchen und chinesische Baumstreifenhörnchen) aus Zoos und privaten Tierhaltungen nachgewiesen.
Vom FLI wird in einer Kurzmitteilung vom 1. März 2016 aufgrund der Zunahme der Feststellungen empfohlen, eine Lebenduntersuchung aller Bunt- und Schönhörnchen und deren Unterfamilien/Gattungen durchzuführen. Dies gilt insbesondere auch für Tiere, die verkauft oder zugekauft werden. Es sind weitere Untersuchungen notwendig.

Die Kosten für die Beprobung dieser Tiere und den Transport der Proben werden vom MELUR übernommen. Die Untersuchungen beim FLI sind derzeit kostenfrei.

Weitere Informationen unter http://www.tieraerztekammer-schleswig-holstein.de/ sowie

http://ahrensburg24.de/lebensgefaehrlich-fuer-menschen-umweltministerium-warnt-vor-bornavirus-bei-bunthoernchen/

4.3.16: Die mit VSBV-1 infizierten Bunt-Hörnchen stammen bisher aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die mit VSBV-1 infizierten Bunt- und Schönhörnchen zeigten keine auffälligen Krankheitssymptome. Die betroffenen Hörnchen-Züchter erkrankten an einer schweren Gehirnentzündung, die 2 bis 4 Monate nach Auftreten der ersten klinischen Erscheinungen zum Tod der Patienten führte. Der Übertragungsweg ist unbekannt, am wahrscheinlichsten sind Kratz- oder Bisswunden.

Das neu entdeckte VSBV-1 gehört zur Gattung Bornavirus in der Familie Bornaviridae und ist genetisch am nächsten verwandt mit Bornaviren der Art Mammalian 1 bornavirus, die bei verschiedenen Säugetieren ebenfalls Erkrankungen mit zentralnervöser Symptomatik auslösen. Bornaviren von Vögeln und Reptilien weisen eine geringere genetische Verwandtschaft zu VSBV-1 auf.

Das FLI hat molekulardiagnostische und serologische Untersuchungsmethoden zum Nachweis des Virusgenoms und von gegen den Erreger gerichteten Antikörpern entwickelt und validiert. Da ein direkter Zusammenhang zwischen dem Virusnachweis im Speichel und der Infektion der Hörnchen gefunden wurde, empfiehlt das FLI zur Lebenduntersuchung von Hörnchen die Einsendung von zwei trockenen Maultupfern je Tier. Ein PCR-Test mit EDTA-Blut/Serum ist auch möglich. Weiterlesen auf: https://openagrar.bmel-forschung.de/servlets/MCRFileNodeServlet/Document_derivate_00013599/Steckbrief_VSBV-1_20160301.pdf

Vor allem interessant ist hier der nächste Verwandte Mammalian 1 bornavirus - das ist die Gruppe für den humanen Typ und den Pferdetyp. Im Jahr 2014 wurde dieses Bornavirus vom ICTV umbenannt von Borna Disease Virus zu Mammalian 1 Bornavirus. Dies ist das Virus , das die Borna Krankheit bei Säugetieren und hohe Raten von Mutation in den Menschen bewirkt!

Menschen und Pferde haben beide das Bornavirus-Protein P24 (was zum Bornavirustest bei Diamedis gehört) und haben keine artspezifischen Aminosäurereste, was nahelegt , dass die zwei Viren in Zusammenhang stehen.
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Mammalian_1_bornavirus
 

14.8.12: Markers of Borna disease virus infection in cats with staggering disease
- Journal of Feline Medicine and Surgery 1098612X12446638, first published on May 2, 2012

Markers of Borna disease virus infection in cats with staggering disease - dieses pdf wurde uns von einem Bornaforscher zur Verfügung gestellt!

Auszug: We show that serology can be a useful aid for the clinician, as a vast majority (81%) of cats with clinical signs of staggering disease were seropositive for BDV-specific antibodies.

BDV-Infektion Marker (BDV-spezifische Antikörper und / oder BDV-RNA) wurden in den meisten der Katzen (89%) gefunden mit neurologischen Symptomen.

 

Doktorarbeit über das aviäre Bornavirus bei Vögeln "Aviäre Bornaviren bei Papageien: Untersuchungen zur Antigen-Verteilung im Gewebe" vom 30.7.2011

 

Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin:

Federführend in der Borna-Forschung war bis Ende 2005 das Robert-Koch-Institut in Berlin mit Fr. Dr. Bode und Prof. Ludwig von der FU Berlin. Absolut empfehlenswert ist die Habilschrift von Frau Dr. Liv Bode, da dort unheimlich viel drin steht. Sie ist eine der besten Texte zum Bornavirus: Man kann sie hier herunterladen als PDF: http://library.vetmed.fu-berlin.de/resources/global/contents/2654808/bode_habil.pdf

 

Borna-Dokumentation vom Arbeitskreis Großtierpraxis - Gesellschaft für tierärztliche Fortbildung: "Nicht nur bei Pferden Borna-Disease-Virus (BDV)-Erkrankungen von B. Iben" Großtierpraxis 7:04, 138-146 (2006) als pdf mit 16 Seiten http://www.akgonline.de/pdf/borna.pdf, ebenso auf http://www.animal-health-online.de/drms/pferd/borna.pdf

 

Uni Leipzig

Interessanter Auszug hieraus: Infektionen mit dem Borna-Virus (Borna Disease Virus, BDV) stehen bei vielen Säugetierarten in kausalem Zusammenhang mit einer Reihe pathologischer Veränderungen des Gehirns und der Retina. http://www.uni-leipzig.de/~vetana/subjects.html (leider nur noch im Archiv vorhanden 26.12.08):

Daraus Kurzbeschreibung
Wir untersuchen degenerative und regenerative Prozesse in der Netzhaut von Ratten und Mäusen. Schwerpunkte unserer Arbeiten sind

(1) läsionsbedingte Veränderungen an Axonen retinaler Ganglienzellen und

(2) die Involvierung der Mikroglia in der Retina nach Axotomie des Sehnerven.

Einen weiteren Fokus bilden (3) Untersuchungen zur Neurodegeneration in der Netzhaut der Ratte nach experimenteller Infektion mit Borna Disease Virus (BDV).

(1) Das Überleben von Nervenzellen und eine erfolgreiche Regeneration von Nervenfasern sind Grundvoraussetzungen für Reparaturvorgänge im ZNS. Als Modell für einen primären Ausfall von Neuronen untersuchen wir die Degeneration retinaler Ganglienzellen nach Durchtrennung des Nervus opticus. Die retrograde Markierung der überlebenden Ganglienzellen mit biotinylisiertem Dextranamin zeigte, dass einige wenige Neurone bis zu einem Jahr, d.h. vermutlich zeitlebens erhalten bleiben und intraretinale Axonkollateralen ausbilden können. Elektronenmikroskopisch konnte bestätigt werden, dass growth cones an den Enden der Kollateralen ausgebildet werden. Die ultastrukturelle Detektion und räumliche Erfassung (mit Hilfe von Serienschnitten) der growth cones konnte aufgrund des hohen Aufwandes bisher nur in wenigen Fällen exemplarisch durchgeführt werden. (2) Von Bedeutung für die Degeneration und Regeneration von axotomierten Neuronen sind Interaktionen zwischen ihnen und den Mikrogliazellen, die durch Degradationsprozesse aktiviert werden. Nach retrograder Markierung der geschädigten retinalen Ganglienzellen durch Applikation des lipophilen Fluoreszenzfarbstoffes 4Di-10ASP auf den Sehnervenstumpf wurden die axotomierten Neurone dargestellt. Die binnen weniger Tage nach der Axotomie sichtbare transzelluläre Markierung der Mikroglia mit 4Di-10ASP zeigte, dass diese Zellen zelluläre Bestandteile von degenerierenden Neuronen durch Phagozytose aufnehmen.

(3) Infektionen mit dem Borna-Virus (Borna Disease Virus, BDV) stehen bei vielen Säugetierarten in kausalem Zusammenhang mit einer Reihe pathologischer Veränderungen des Gehirns und der Retina. Wir untersuchen BDV-bedingte Strukturveränderungen in der Retina von experimentell infizierten Ratten. In einem frühen Stadium nach BDV-Infektion (4 Wochen post infectionem, p.i.) konnten wir einen beträchtlichen Anstieg in der Zahl aktivierter Mikrogliazellen und Makrophagen zeigen, was mit einem deutlichen Verlust von Photorezeptoren und Ganglienzellen einherging.

Weiter im obigen Archiv-Link.


Vielleicht liegt hier der Schlüssel dazu, dass es eine Verbindung von Borna und Headshaking gibt und das die Sonne bzw. das Licht ab Beginn des Frühjahrs eine so große Rolle als Auslöser spielt?

 

Zusammenfassung der Doktorarbeit von ROLAND DIECKHÖFER v. 22.6.2006:

Epidemiologische Untersuchungen zur equinen BDV-Infektion, der Bornaschen Krankheit beim Pferd, der Therapie und die dazugehörige aktuelle Gesetzessituation in Deutschland

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, der epidemiologischen Sachlage der Borna-Virus-(BDV)-Infektion beim gesunden Pferd wie auch speziell der Infektion beim klassisch erkrankten und auch atypisch erkrankten Pferd mittels Informationen aus den Probenbegleitscheinbögen und den zur Zeit modernsten labordiagnostischen Verfahren, insbesondere durch ELISA-Technik, nachzugehen und ein umfassendes Bild der Verbreitung der Infektion in Deutschland zu darzustellen.
Aus den vorliegenden umfangreichen serologischen Untersuchungen ergibt sich eine deutschlandweite Verbreitung sowohl der Bornaschen-Krankheit (BK) als auch der ausschließlichen Infektion mit BDV. Mit einer Infektionsprävalenz von über 50 % ist eine Ansteckungsgrundlage zur BK weiter verbreitet, als alle Studien zuvor ermitteln konnten. Von diesen 50 % sind wiederum über 50 % der Pferde entweder typisch oder atypisch erkrankt.
Im Gegensatz zu den bisherigen Studien beim Pferd wurde nicht nur nach BDVspezifischen-Antikörpern im Blut oder Liquor gesucht, sondern es konnte mit dem in der Berliner Bornavirus Arbeitsgruppe (RKI und FU-Berlin) entwickelten ELISA-Verfahren ein kompletter, auf AG-Produkten und humoraler Abwehr beruhender Überblick über die BDVBelastung bei erkrankten und gesunden Pferden gegeben werden. Eine ausschließliche und damit unvollständige Betrachtung der AK-Titer ergibt eine relative Häufigkeit von nur 18,6 %.
Insofern muss auf den propagierten „dreifach“ ELISA zurückgegriffen werden, der sowohl BDV-Antigen, -Immunkomplexe und –Antikörper erfasst und somit einen genaueren Einblick in die Infektionssituation des Patienten gibt. Mit diesem Verfahren ist eine minimalinvasive Methodik zur Erkennung von BDV-Infektionen mit Aktivierung oder ohne Aktivierung der Virusproduktion möglich. Um eine Entwicklungstendenz der Infektion aufzuzeigen, muss mindestens eine Kontrolluntersuchung des Blutes folgen.
Endemiegebietsgrenzen der Bornaschen Krankheit verschwimmen immer mehr und lassen sich kaum noch auf die früheren klassischen endemischen Gebiete beschränken. Nahezu in jedem Bundesland – Sachsen Anhalt war allerdings nur mit 10 Proben vertreten, aus Bremen kam keine Einsendung – existieren klassisch und atypisch BDV-erkrankte Pferde mit nachweislichen, spezifischen BDV-Titern. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bayern und Hessen wurden - relativ betrachtet - mit jeweils über 10 % die meisten BDV-hochpositiv infizierten kranken Pferde ermittelt.

aus: http://www.diss.fu-berlin.de/2006/495/dblim.pdf und

 

Epidemiologische Untersuchungen zur equinen BDV-Infektion, der Bornaschen Krankheit beim Pferd, der Therapie und die dazugehörige aktuelle Gesetzessituation in Deutschland

FU Berlin, Digitale Dissertation - Roland Dieckhöfer :

Epidemiologische Untersuchungen zur equinen BDV-Infektion, der Bornaschen Krankheit beim Pferd, der Therapie und die dazugehörige aktuelle Gesetzessituation in Deutschland
Epidemiological studies on equine BDV-Infection, the Borna Disease in horses, therapy, and the appropriate current legislation in Germany

 

Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, der epidemiologischen Sachlage der Borna-Virus- (BDV)-Infektion beim gesunden Pferd wie auch speziell der Infektion beim klassisch erkrankten und auch atypisch erkrankten Pferd mittels Informationen aus den Probenbegleitscheinbögen und den zur Zeit modernsten labordiagnostischen Verfahren, insbesondere durch ELISA-Technik, nachzugehen und ein umfassendes Bild der Verbreitung der Infektion in Deutschland zu darzustellen. Aus den vorliegenden umfangreichen serologischen Untersuchungen ergibt sich eine deutschlandweite Verbreitung sowohl der Bornaschen-Krankheit (BK) als auch der ausschließlichen Infektion mit BDV.

 

Mit einer Infektionsprävalenz von über 50 % ist eine Ansteckungsgrundlage zur BK weiter verbreitet, als alle Studien zuvor ermitteln konnten. Von diesen 50 % sind wiederum über 50 % der Pferde entweder typisch oder atypisch erkrankt. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien beim Pferd wurde nicht nur nach BDV-spezifischen-Antikörpern im Blut oder Liquor gesucht, sondern es konnte mit dem in der Berliner Bornavirus Arbeitsgruppe (RKI und FU-Berlin) entwickelten ELISA-Verfahren ein kompletter, auf AG-Produkten und humoraler Abwehr beruhender Überblick über die BDV-Belastung bei erkrankten und gesunden Pferden gegeben werden.

 

Eine ausschließliche und damit unvollständige Betrachtung der AK-Titer ergibt eine relative Häufigkeit von nur 18,6 %. Insofern muss auf den propagierten „dreifach“ ELISA zurückgegriffen werden, der sowohl BDV-Antigen, -Immunkomplexe und –Antikörper erfasst und somit einen genaueren Einblick in die Infektionssituation des Patienten gibt. Mit diesem Verfahren ist eine minimalinvasive Methodik zur Erkennung von BDV-Infektionen mit Aktivierung oder ohne Aktivierung das Virusproduktion möglich. Um eine Entwicklungstendenz der Infektion aufzuzeigen, muss mindestens eine Kontrolluntersuchung des Blutes folgen.

Endemiegebietsgrenzen der Bornaschen Krankheit verschwimmen immer mehr und lassen sich kaum noch auf die früheren klassischen endemischen Gebiete beschränken. Nahezu in jedem Bundesland – Sachsen Anhalt war allerdings nur mit 10 Proben vertreten, aus Bremen kam keine Einsendung – existieren klassisch und atypisch BDV-erkrankte Pferde mit nachweislichen, spezifischen BDV-Titern. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bayern und Hessen wurden - relativ betrachtet - mit jeweils über 10 % die meisten BDV-hochpositiv infizierten kranken Pferde ermittelt. In sehr vielen verschiedenen Rassen wurde eine BDV-Infektion mit oder ohne Krankheit nachgewiesen. Durch diese Untersuchungen konnte eine vermehrte Prävalenz des Auftretens der Krankheit und auch der Infektion beim Sportpferd eher als beim Pony oder Kaltblutpferd gemessen werden.

 

Eine jahreszeitliche Rhythmik des Auftretens der Infektion und Krankheit war auffällig, zudem meßbar. Anders als bisher beschrieben, wurde primär eine relative Häufung kranker, infizierter Tiere in den warmen Monaten, nämlich zwischen Mai und August, beobachtet.

Die aktuelle Gesetzessituation bezüglich der Meldepflicht birgt zweifellos eine Quelle der Beunruhigung für die Bevölkerung, beinhaltet außerdem aus wissenschaftlicher Sicht viele Fehler und muss somit als überholt gelten.

Anmerkung: Meldepflicht wurde abgeschafft vor ein paar Jahren

 

Mit einer hohen Prävalenz von über 52 % ist die BDV-Infektion beim Pferd in Deutschland kaum noch als eine nach dem Tierseuchengesetz eingestufte meldepflichtige Tierkrankheit anzusehen, da die Kriterien einer Tierseuche im Sinne des Gesetzes hiermit nicht erfüllt werden. Eine Korrektur der gesetzlichen Vorgaben steht aus und sollte EU-weit vorgenommen werden. Anders als in den gesetzlichen Vorgaben beschrieben – dort wird eine Therapie verneint - konnte eindrucksvoll einer meist erfolgreichen Behandlung der BDV-Erkrankung durch Gaben von Amantadin nachgegangen werden. Bei mehr als 78 % der behandelten Pferde war eine klinische Besserung festzustellen. Es konnte also eine vielversprechende Therapie bei BDV-Erkrankungen mit dem Wirkstoff Amantadin erzielt werden, wobei diese auch im Reagenzglas aktive Substanz bisher als alternativlos im BDVirus-Infektionsprozess anzusehen ist.

 

Auszug aus http://www.akgonline.de/: Das Borna Disease Virus wird ausgehend von In-vitro-Experimenten allgemein als nicht zytopathogen eingestuft (Danner et al. 1978). In der Zwischenzeit weisen allerdings zahlreiche Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass möglicherweise auch die virale Infektion selbst zur Schädigung infizierter Zellen führt. Dazu können verschiedene Faktoren beitragen: Nach einer Infektion mit BDV wurde eine verstärkte Expression des Tissue Faktors (TF) in Astrozyten gemessen (Gonzalez-Dunia 1996). TF spielt eine wichtige Rolle in der Bildungskaskade der Protease Thrombin. Eine vermehrte Thrombin-Aktivität könnte eine Störung von Neuronen-Interaktionen zur Folge haben. Ähnliche Wirkungen könnte die veränderte Expression verschiedener Dopamin-Rezeptoren in dopaminergen Gehirnregionen haben (Solbrig 1996). Daneben wurde die vermehrte Bildung von katalysiertem Stickoxid (NO) festgestellt. NO kann als Neurotransmitter fungieren aber auch toxische Eigenschaften zeigen (Dietzschold 1995). Im ZNS infizierter Tiere konnte zudem eine veränderte Expression proinflammatorischer Zytokine, von Zytokinrezeptoren und dem Neuropeptid Y beobachtet werden.

In der Zwischenzeit weisen auch andere Untersuchungen darauf hin, dass möglicherweise auch die virale Infektion selbst, neben der immunpathologischen Reaktion, zur Schädigung infizierter Zellen führt. Dazu könne verschiedene Faktoren beitragen. (Doktorarbeit S.Stamer )

 

Bornavirus und Augenschäden – Photic Headshaking

Das Bornavirus wandert bekanntlich in Nervenfasern (Axiomen) durch den Körper und auch ins Gehirn.
Bei der Eintrittspforte am Riechkolben gelangt das Virus auf direktem Weg ins limbische System. Dort befindet sich eine bevorzugte Stelle im Gehirn, wo das Bornavirus sich vermehrt in den verschiedenen Neuronenschichten, vor allem aber im Hippocampus.
Dieses läßt sich nachweisen mit Bornavirus-spezifischem Eiweiß in immun-dispologischen Schnitten.
Von hier aus wandert das Bornavirusmaterial zentrifugal in die Peripherie des Körpers, wiederum über die Nervenfasern.

Hier gelangt das Bornavirus auch über das Chiasma Opticum in den Sehnerv (nervus optikus) und vor von hier in die Netzhaut. Aus experimentellen Untersuchungen an Kaninchen, Ratten und Rhesusaffen ist bekannt, dass das Bornavirus eine Nervenschädigung in der Retina verursachen kann. Gleiches muss beim Pferd, das die natürliche Infektion trägt, angenommen werden.

Entzündungserscheinungen in Pferdeaugen können außerdem zu fibrinösen Ablagerungen im Innenaugenbereich führen. Die Mondblindheit kann damit zusammenhängen. Wenn das Bornavirus über den nervus opticus in die Netzhaut gelangt, kann es zu einer Überreizung der Stächen im Auge kommen.  Diese Ereignisse hängen sehr wahrscheinlich mit dem klinischen Syndrom zusammen.
Obwohl diese Zusammenhänge wissenschaftlich nicht genau untersucht sind, muss analog zum experimentell infiziertem Tier auch beim Pferd von ähnlich pathologischem Mechanismus ausgegangen werden.
Diese Überlegungen sollten bei Pferdehaltern, Züchtern und Tierärzten großen Raum in der Diagnostik von Augenkrankheiten beim Pferd einnehmen.Quelle: Prof. H. Ludwig, Berlin