Häufige Fragen und Antworten zur Bornavirus-Infektion beim Menschen

 

für Humanmediziner/innen (Hausarzt, Psychiater, Kinderarzt) und Patienten/innen von Dr. Hanns Ludwig - Univ.-Prof. für Virologie, Freie Universität Berlin

 

Was sind Bornaviren?

  • Kleine eingehüllte RNA-Viren, die Gehirn- und Blutzellen infizieren und weitläufig mit Masernvirus und Tollwutvirus verwandt sind. Sie sind weltweit verbreitet und bilden eine eigene Virusfamilie (Bornaviridae).

  • BDV (Borna Disease Virus) kommt beim Menschen und vielen Säugetierarten vor, das kürzlich entdeckte ABV (aviäres Bornavirus) bei exotischen Vögeln.

  • Sie haben zoonotisches Potential, d.h. eine Ansteckung des Menschen durch infizierte Hobby/Haustiere (Pferd, Katze, Hund u.a.) ist denkbar, aber nicht der Regelfall.

Warum sind Bornaviren einzigartig?

  • Sie gehören zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten Viren, vermehren sich im Kern der Wirtszelle (als einzige der Negativstrang-RNA-Viren) und sind seit mindestens 40 Millionen Jahren sogar in unser und das Erbmaterial unserer Vorfahren eingedrungen.

  • Sie verbleiben lebenslang im infizierten Organismus (keine Zellzerstörung).

  • Sie befallen besonders den alten Teil des Gehirns (limbisches System) und sind an Verhaltens-und Stimmungsänderungen beteiligt (Viruseiweiße stören das Neurotransmitter-Gleichgewicht).

Wie gefährlich sind Bornaviren für die menschliche Gesundheit?

  • Sie sind bei etwa einem Drittel (30%) der erwachsenen Bevölkerung nachweisbar (Belege aus Deutschland, Australien). Im Kindesalter ist die Prävalenz etwa doppelt so hoch.

  • Die Mehrheit der Infizierten (>80%) zeigt keine Symptome.

  • Bei jedem sechsten Infizierten (16-17%) besteht ein erhöhtes Risiko, im Laufe des Lebens an einer mentalen Störung zu erkranken. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung hat jeder Zwanzigste (5 von 100 Menschen; 5%) ein erhöhtes Krankheitsrisiko.

Bei welchen Krankheitsbildern ist eine aktive Bornavirus-Infektion deutlich häufiger als bei der Normalbevölkerung?

  • Bei akuten depressiven Episoden (uni- und bipolar) in 80-90% der Patienten.

  • Bei chronischen Zwangserkrankungen in mindestens 50-60% der Patienten.

  • Beim chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS/ME) in mindestens 40% der Patienten.

Welche Krankheitssymptome treten syndromübergreifend bei der Mehrheit der vorher beschriebenen infizierten Patienten auf?

  • Kognitive Einbußen, verlangsamtes Denken

  • Reduzierte intellektuelle Leistungsfähigkeit

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite (besonders bei Kindern und Jugendlichen).

  • Reduzierte Gedächtnisleistung (altersuntypisch).

  • Lernstörungen (besonders bei Kindern und Jugendlichen).

Wie kann die Infektion festgestellt werden?

  • Mit einer kleinen Blutprobe (5-10 ml Citratblut oder Serum, Kinder 1 ml) und speziellen Testen (ELISA-Formate). Beim Versand keine Kühlung erforderlich.

  • Ein Suchtest misst Bornavirus-spezifische Immunkomplexe (CIC), die aus Viruseiweißen und Patienten-Antikörpern bestehen und nur nachweisbar sind, wenn die Viren sich vermehrt haben.

  • Bei akuter Erkrankung sollten zusätzlich die Viruseiweiße (Antigene) selbst bestimmt werden, die gemeinsam mit den CIC einen akuten Aktivierungsschub anzeigen.

  • Antikörper sagen nichts über die Virusaktivität. Ein negativer Antikörpertest schließt eine Infektion nicht aus.

Wo kann das Blut auf eine Bornavirus-Infektion z. Zt. untersucht werden?

Akkreditiertes Medizinlabor: DIAMEDIS, Bornavirus-Diagnostik, Dunlopstr. 50, D-33689 Bielefeld-Sennestadt. www.diamedis.eu/Bornavirus.html, Tel. +49 5205-7299-0.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Hanns Ludwig, Mobil +49 171 754 2997; hanns.ludwig@web.de