Infektionswege, Übertragung, Vektoren:

Darüber, wie sich die betroffenen Tiere und Menschen infiziert haben, wird ausreichend diskutiert, ebenso darüber, ob und wie Menschen sich möglicherweise beim Tier anstecken könnten oder umgekehrt. Genau erforscht wurde das noch nicht.  Es gibt aber jetzt über viele Jahre hinweg diesbezügliche Erfahrungswerte im speziellen Bornavirusforum bzw. Bornavirus-Netzwerk  www.chronische-infektion.de.  Auffallend viele Besitzer von Bornavirus-positiven Pferden oder anderen Tieren aus der Gruppe der Bornavirusträger z.B. Katzen, Schafe, auch Hunde, berichten über ähnliche Symptome wie ihre Tiere oder dass sie selbst positiv sind und oft ebenfalls ihre Angehörigen auch.

Jetzt gibt es die neue Studie aus China über die Ansteckungs unter Menschen, insbesondere wurde das Krankenhauspersonal eines großes Klinikums untersucht und andere Kontaktpersonen erkrankter Menschen!

 

Zu den bedeutendsten Risikofaktoren, die eine Aktivierung „schlafender“ Bornaviren durch Schwächung des Immunsystems begünstigen, gehört negativer emotionaler Stress (z.B. Partnerverlust, Kränkungen, Überforderung im Beruf). Je länger negativer Stress anhält, um so mehr steigt das Risiko, dass Bornavirus aktiviert wird und Virus-spezifische Eiweiße im Überschuss gebildet werden, die wahrscheinlich im Gehirn an der Fehlregulation der Botenstoffe mitwirken (tierexperimentelle Daten) und im Körper in das Blutplasma gelangen, wo sie zur Antikörperbildung mit anschließend Bildung sogenannter zirkulierender spezifischer Immunkomplexe (BDV-CIC) führen. Mit der stress-induzierten Depression sind wir auch beim Thema Burnout angelangt.

Dieser bei Bornavirus-Infektionen von Menschen und Tieren stattfindende Mechanismus der Immunkomplexbildung wurde erst Ende der 1990iger Jahre von der Berliner Arbeitsgruppe Dr. Bode gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Hanns Ludwig (Freie Universität Berlin) entdeckt (publiziert 2001) und hat nach deren Erachtens nicht nur grundlegende Bedeutung für das Verständnis der in Aktivierungsschüben verlaufenden lebenslangen Bornavirus-Infektion, sondern große praktische Bedeutung für die schnelle Erkennung erhöhter Risiken (aktivierte Infektion) mit Hilfe eines dafür entwickelten quantifizierbaren Farbtests, für den nur eine kleine Blutmenge erforderlich ist.

Empfehlenswerter Link dazu: Dankesrede Bode anlässlich der Wistleblower-Preisverleihung in Berlin - Kann die Melancholie im Blut liegen? Risiko Plasma (ab Seite 8 mit anschaulichen Grafiken und Publikationsnachweisen)

 

1. Die vertikale (erbliche) Weitergabe des Virus

Lt. FLI (Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riehm) und der Bornavirus Forschungsgruppe des RKI (Robert-Koch-Institut, Berlin) und der FU Berlin sind inzwischen nicht nur die horizontale Weitergabe des Virus, sondern auch die vertikale Weitergabe (Mutter-Kind, Stute-Fohlen etc.) bewiesen. Siehe hierzu die Jahrestagung 2005 v. 4.5.06 der Sächs.-Thüring. Gesellschaft f. Kinder- und Jugendmedizin:http://www.kontinenzzentrum-leipzig.de Seite 26, P 39:

Es geht dort um den Nachweis von Borna-Virus-Antigen und Borna-Virus-Antikörpern bei Säuglingen. Es wurden 117 Neugeborene und deren Mütter auf das Vorhandensein von BDV-AK und -CIC unmittelbar nach der Geburt und im ersten Lebensjahr untersucht. 23 % der Neugeborenen waren vertikal infiziert worden etc. Eltern und Geschwister waren auch positiv usw. Es handelt sich in dem Beitrag P39 um Teilergebnisse aus einer größeren Studie, die die Leipziger Pädiater in Kooperation mit der Bornavirus-Forschungsgruppe des RKI durchgeführt haben und die noch als Gesamtstudie zur Publikation ansteht.

 

ERGEBNISSE:
Prävalenz von BDV-Marker in Blutproben BDVAg Nachweis ergab innerhalb der ersten Wochen nach der Geburt erhöhte Werte in einer Höhe von 8% positiv Proben, die der Aufdeckung bei  Erwachsenen entspricht (18 Jahre von 7%). Dann wurde ein steiler Anstieg bis zum Alter von 4 - 6 Monate gefunden mit einem kurzen Rückgang danach (siehe Abb. 1). Hier wird auf Vererbungsfaktoren getippt.

Ein zweiter Höhepunkt ist dann  in der Altersgruppe bei  2- 3-jährige Kinder zu finden, hier wird auf Ansteckung in Kindergärten getippt.
Danach kommt ein kontinuierlicher Rückgang. Im Gegensatz zu BDVAg wurde eine relativ hohe Prävalenz positiver BDVAb Tests festgestellt in den ersten Monaten des Lebens (Abb. 2). Es ergab sich eine Erkennungsrate mit einem Spitzenwert von 75% in den ersten 4 – 6  Monate und ein stetig leichter Rückgang später. Immerhin, die Rate war immer weit über der BDVAg Rate und hatte den niedrigsten Werten bei Erwachsenen mit 44%.

 

2. Die horizontale Weitergabe von Virus (Speichel, Blut, Urin, Kot) - Ansteckung unter Menschen!

Lt. der neuen chinesischen Studie sind die wahrscheinlichen Quellen in der Ansteckung unter Menschen in Bindehautsekret, Speichel und Blut zu finden. Familienmitglieder und in psychischen und psychiatrischen Gesundheitseinrichtungen tätigen Personen haben ein entschieden höheres BDV-Risiko als andere nicht verwandte Personen!

BDV-spezifische RNA wurde  in solchen Sekreten gefunden.  Tiere (Menschen) könnten also über diesen Weg ebenfalls infiziert werden. Kontaminierte Lebensmitteln oder Wasser spielen eher eine geringe Rolle.

 

2.1 Infektion über den Riechnerv:

Wie das Virus übertragen wird, ist bisher nicht völlig geklärt. In Laborversuchen waren sowohl die Tröpfcheninfektion  über die Nase als auch die Injektion des Virus ins Gehirn erfolgreich.
Das Bornavirus wandert bekanntlich in Nervenfasern (Axonen) durch den Körper und auch ins Gehirn. Bei der Eintrittspforte am Riechkolben gelangt das Virus auf direktem Weg ins Gehirn (limbisches System). Dort befindet sich eine bevorzugte Stelle , wo sich das Bornavirus in den verschiedenen Neuronenschichten, vor allem aber im Hippocampus, vermehrt.
Dieses lässt sich nachweisen mit Bornavirus-spezifischem Eiweiß in immun-hispologischen Schnitten.
Von hier aus wandert das Bornavirusmaterial zentrifugal in die Peripherie des Körpers, wiederum über die Nervenfasern. Hier gelangt es auch über das Chiasma opticum in den Sehnerv (nervus opticus) und weiter in die Netzhaut. Aus experimentellen Untersuchungen an Kaninchen, Ratten und Rhesusaffen ist bekannt, dass das Bornavirus eine Nervenschädigung in der Retina verursachen kann.
Das Bornavirus ist langsam, aber ausdauernd. Einmal dort angekommen, vermehrt es sich. Dabei zerstört es die Zellen nicht und ist im Gehirn auch gut vor dem Immunsystem geschützt. Charakteristisch für dieses Virus ist, dass es phasenweise verstärkt, also in Schüben auftritt. Was eine vermehrte Virusreplikation auslöst, kann derzeit nur vermutet werden. Stress aller Art dürfte allerdings eine der Hauptursachen für solche Schübe ausmachen. Im Körper kommt es letztendlich auf das Kräfteverhältnis zwischen Immunsystem und Virus an.

 

3. Übertragung durch Blut und Medikamente, die unter Verwendung aus Blut hergestellt wurden - dazu gehören auch Impfstoffe!

Zu nennen ist die Übertragung durch infizierte Blutspenden und Medikamente, die unter Verwendung von Blut oder Urin  hergestellt werden, dazu gehören möglicherweise auch Impfstoffe. Schon in 2001 gibt es Veröffentlichungen in der Fachpresse, dass Blutspender, wie gesunde Menschen, zu etwa 30% mit Bornaviren infiziert sind. Schätzungsweise 0,5 - 1 % sind nach neuen Ergebnissen stärker belastet und deren Blutspende stellt ein Risiko dar, das dringend weiter geklärt werden muss. Bornavirus unterliegt bis heute keiner Testung, obwohl zuverlässige Tests der Berliner Arbeitsgruppe (Ludwig/Bode) seit 2006 zur Verfügung stehen. Siehe dazu: Infoflyer zum neuen Bornavirustest von der FU Berlin, zur Verfügung gestellt von Prof. Ludwig.

In derselben Arbeit wurde auch untersucht, ob in den Immunkomplex und Antigen-stark positiven Blutplasmen von schwer depressiven Patienten Viruserbmaterial (Infektiositätsnachweis) nachweisbar war (das macht man mit RT-PCR). Das Ergebnis war, dass dies gelang, je stärker die Patientenplasmen mit Immunkomplexen und Antigen belastet waren. Es gelang damals jedoch nicht mit den Plasmen von gesunden Spendern, so dass erstmal keine direkte Gefahr von Spenden auszugehen schien (Untersuchungen von 1999-2000, erschienen 2001). Inzwischen hat sich da enorm viel verbessert.

Für die Studie verglichen die Wissenschaftler in den vergangenen vier Jahren das Blut von Patienten mit dem Blut von gesunden Blutspendern sowie dem Blut erkrankter Pferde. Im Blut fast aller untersuchten Patienten fanden sich für das Borna-Virus spezifische Immunkomplexe. Zudem gingen schwere Depressionen mit einer großen Menge an Borna-Virus-Antigenen im Blut einher - zusätzlich zu den spezifischen Immunkomplexen und freien Antikörpern. Mit diesen drei Werten könne eine Infektion beim Menschen künftig sicherer als bisher festgestellt werden, hoffen die Forscher. So zeigte sich bereits, dass auch 30 Prozent einer Gruppe gesunder Menschen mit dem Virus infiziert waren. Das ist zehnmal mehr, als aufgrund von anderen Analysemethoden vermutet wurde.

Im Fachmagazin "Molecular Psychiatry" berichtet das Bornavirus-Forschungsteam des RKI, dass das Borna-Virus nicht nur die Neuronen des limbischen Systems im Gehirn befällt, sondern auch die weißen Blutzellen. Für die Studie verglichen die Wissenschaftler in den letzten Jahren das Blut von Patienten des Benjamin-Franklin-Hospitals der FU Berlin und der Medizinischen Hochschule Hannover mit dem Blut von gesunden Blutspendern des Deutschen Roten Kreuzes sowie mit dem Blut von BDV-kranken Pferden.

Zur Herstellung von Impfstoffen und Seren werden u.a. Tieren z.B. Krankheitserreger injiziert. Einige Zeit später wird ihnen Blut abgenommen oder sie werden zur Blutgewinnung getötet. Aus dem Blut werden Antikörper gewonnen. Eine Mehrzahl der Impfstoffen wird heute auf Tieren gezüchtet. ... Haut und Gehirn oder auch Blut von Pferden, Kaninchen, Hunden, Schafen, Affen, Hamstern, Mäusen etc.
Impfstoffforschung ist unweigerlich mit qualvollen Tierversuchen verbunden. Außerdem dienen Tierimpfstoffe keineswegs dem Wohle der Tiere, sondern dem Profit der Pharmaindustrie. Stress, Enge und Leistungsdruck machen die Tiere der heute üblichen Nutztierhaltung anfällig für alle Arten von Krankheiten, insbesondere auch Infektionskrankheiten. Durch Impfungen und Antibiotika versucht man diese einigermaßen in Schach zu halten. Quelle: Ärzte gegen Tierversuche

 

4. die Übertragung durch (Spitz)Mäuse - sie sind ein Wirt und werden nicht krank dadurch:

Menschen und Pferde beispielsweise sind keine Wirte für Bornaviren und können daher sehr krank werden.

Eine inzwischen bewiesene Infektionsquelle sind auch Mäuse und Ratten. Ihr frischer Urin gilt als infektiös (Sauder und Staeheli, 2003, "Rat model of Borna disease virus transmission: Epidemiological implications. .." .- Forschungsdatenbank Freiburg .

In 2014 gab es neue Studien bei der Spitzmaus, die die Studien in 2006 weitreichende Studien aus der Schweiz  bestätigen und und wo die Spitzmaus als eine der Überträger erkannt wurde bei Pferden (die Maus ist nicht der einzige Überträger)  siehe http://www.barnboox.de/wissensdatenbank/fachartikel/borna-virus-bei-pferden-der-%C3%BCbertr%C3%A4ger-ist-eine-spitzmaus. Diese neuen Mausstudien wurden in Sachsen-Anhalt durchgeführt, wo auch die ersten Meldungen vom VSBV-1 (Bornaviren der Bunthörnchen und human) herkamen.

Wobei in 2014 bei der Umbenennung des BDV auch in Studien bewiesen wurde, dass es wiederum einen Zusammenhang zwischen den Bornaviren bei human und denen der Pferde gibt. Also im Prinzip hängt alles irgendwie zusammen!

von 4/2006 vom schweiz. CDC: http://www.cdc.gov/ncidod/EID/vol12no04/05-1418.htm
Auszug: "Das Ziel dieser Studie war zu Suche nach den vermeintlichen natürlichen Reservoirwirten oder Vektoren von BDV in einer Umgebung, in der BD in Pferden und Schaf endemisch ist. Acht Maulwürfe, 3 Spitzmäuse und 87 Mäuse von anderer Art wurden zwischen 1999 und 2003 in einem kleinen Dorf nahe Chur, der Schweiz (Malix, das sich 1130 m über der Meereshöhe befand), einem Bereich eingefangen, in dem BD in Pferden und Schaf endemisch ist. "
Die Nagetiere wurden mit verschiedenen Testmethoden untersucht in Labors in Zürich und Wien. Interessantes Ergebnis: nur die Spitzmäuse trugen den Bornavirus. Die Sequenz zeigte 99,9% Identität zu einer von einem Pferd abgeleiteten BDV Sequenz (GenBank Neuanschaffung Nr. DQ251042), das an BD nahe dem Standort, wo die Spitzmäuse eingefangen wurden, und zu einer BDV Sequenz von einem anderen Pferd aus dieser Region (GenBank Neuanschaffung Nr. AY374547) starb, die sich bis nur 1 unterschied, nt und 2 nt, das die Identität von BDVs in diesem Bereich beziehungsweise bestätigt.
Auch Ratten wurden untersucht, auch sie tragen den Bornavirus, unterscheiden sich aber dennoch, so dass die Forscher zu dem Schluss kommen, dass "Spitzmäuse das natürliche Reservoir für die Übertragung des Bornavirus sein müssen"
Zitat:
"In Schluss postulieren wir, dass Spitzmäuse Reservoirwirte von BDV sind. Spitzmäuse erfüllen auch die für potentielle BDV Reservoirart in einem neuen Überprüfungsartikel (9) eingeführten Kriterien. Unser Befund schließt die Möglichkeit jedoch nicht aus, dass andere Tierarten, die in dieser Umgebung leben, auch BDV hegen konnten. In weiteren Studien prüfen wir mehr Spitzmäuse und zusätzliche Organe, Ausscheidungen und Sekretionen wie auch andere mögliche Reservoir- und Vektorart."

 

Anmerkung: Auch der Urin akut kranker Pferde und Schafe wurde in Studien als infektiös diagnostiziert! Dürfte inzwischen auch für alle anderen bornavirustragenden Tieren gelten!

 

5. die mögliche Übertragung durch Zecken und Stechfliegen:

Wir fragen uns schon, warum so viele chronisch Borreliosekranke auch das Bornavirus haben - kommt es mit rüber von den Zecken oder haben diese Betroffenen alle so ein miserabel schlechtes Immunsystem, so dass sie sich alle möglichen Erreger einfangen?
Da jetzt aktuell in 2016 durch Studien bewiesen wurde, dass auch die verschiedenen Mückengattungen die Borrelienarten tragen, darf man auch annehmen, dass die untengenannten Studien über Bornaviren in diesen Stechmücken auch großflächig stimmen. Die Tigermücke soll bis zu 20 Virenarten übertragen nach neuen Studien!

Hierzu eine Doktorarbeit aus 2005 der Uni Zürich: dissertationen.unizh.ch

Abstract: Die Idee, das Zecken ein Vektor für BDV sein könnten, wird unterstützt durch Tatsache, dass BD dazu tendiert, im Frühjahr und dem frühen Sommer aufzutreten, und in manchen Jahren häufiger ist als in anderen. Außerdem werden Zecken mit der Übertragung von ein im nahen Osten BD ähnliches Pferdeencephalomyelitis in Verbindung gebracht."
" Ein weiterer Aspekt der Arbeit war die Prüfung der Hypothese, ob Zecken der Spezies Ixodes ricinus als Vektoren für BD in Frage kommen. Es konnte gezeigt werden, dass bis zu 24 Tagen nach künstlicher peroraler Infektion Virus RNA in den Zecken vorhanden ist. Unsere Untersuchungen sprechen nicht klar für oder gegen diese Hypothese, zeigen aber, dass mit der neu etablierten TaqMan® RT-PCR eine wichtige diagnostische und epidemiologische Methode zur Lösung zahlreicher Fragen in Bezug auf mögliche Vektoren, Virusreservoirs oder Co-Faktoren in der Forschung von BD zur Verfügung steht. In der genannten url kann das Volltext-PDF angeklickt werden, wo auf Seite 7/8 und ab 34 alle Untersuchungen und Experimente dazu aufgeführt sind.

Aus Volltext: In Zusammenarbeit mit Dr. Lise Gern, Institut de Zoologie, Laboratoire de Parasitologie, Université de Neuchâtel konnten Zecken mit virusinfizierten Zellen künstlich gefüttert werden. Die Zecken wurden nach Intervallen von 1 bis 24 Tagen getötet und mit der Taq Man Methode untersucht. Virus-RNA konnte über die ganze Beobachtungszeit in den Zecken immer wieder detektiert werden, wenngleich in sehr geringen Mengen. Im Gegensatz zu den Gewebeproben infizierter Pferde und Schafe war das p40 / p24 -Verhältnis bei den Zecken größer als 1, was in Analogie zu Untersuchung an Zellkulturen für eine aktive Virusreplikation spricht.
Die Real Time PCR für den Nachweis von BDV RNA eröffnet uns nun neue Möglichkeiten für weitere Untersuchung an potentiellen Vektoren und auch an Patienten und rekonvaleszenten (Ausscheidung von Virus in Sekreten, Blut etc.).

 

Zoonosische Aspekte

Die Erfahrungswerte aus nunmehr ca. 7 Jahren aus unserem Zoonose-Forum (jetzt www.chronische-infektion.de) lassen ganz eindeutig Zusammenhänge zwischen Infektionen der Pferdebesitzer, später auch Katzenbesitzer oder andere mit ihren Tieren erkennen. Ob sich Mensch und Tier jetzt gegenseitig anstecken oder ob durch eine akute Infektion einer der beiden Gruppen bei der anderen latent schlafende Viren geweckt werden durch den engen Umgang, können wir nicht sagen - aber dass es Verbindungen gibt, belegen sehr viele Beispiele.

Wissenschaftlich erforscht ist das Ganze kaum - da besteht dringend Handlungsbedarf wieder aufzunehmender Forschungen.

 

IX. Übertragungswege und andere epidemiologische Aspekte - Habil. Bode

Mensch:

Aus den letzten Jahren gibt es eine epidemiologische Studie aus Japan, die zumindest indirekt auf die Möglichkeit eines zoonotischen Geschehens zwischen gesunden Menschen und Pferden hinzuweisen scheint.

In 4 ländlichen Regionen von Hokkaido, in denen 90% der Vollblutpferde Japans gezüchtet werden, wurden bei Blutspendern (n=428) zwischen 2,6% und 14,8% BDV-Antikörperträger nachgewiesen und damit eine deutlich gegenüber Blutspendern aus der Stadt Sapporo (1 von 100; 1%) erhöhte Seroprävalenz (182). Die Durchseuchung von Pferden (n=54) und Blutspendern (n=57) aus der gleichen Region lag mit 16,7% bzw. 12,3% in derselben Größenordnung, sodass zumindest ein erhöhtes Expositionsrisiko für die Landbevölkerung gegenüber equinem Bornavirus angenommen werden kann.
Schließlich wurde in einer gerade erschienen Untersuchung aus Taiwan gezeigt (34), dass sich die BDV-Seroprävalenz bei Schizophrenie-Patienten mit 12,1% (38 von 314) zwar signifikant von der bei Kontrollpersonen gefundenen Rate von 2,9% (8 von
94 274) unterschied, jedoch fast identisch war mit den bei Familienangehörigen oder Krankenhauspersonal gefundenen Raten von 12,1% (16 von 132) bzw. 9,8% (8 von 82) (Ref. 34).
Für Krankenhauspersonal konnte ein erhöhtes Expositionsrisiko durch infizierte Patienten einer japanischen Untersuchung von 1997 zufolge nicht bestätigt werden. (80). Bei Pflegepersonal wurde keine einzige RNA- und/oder seropositive Probe gefunden (0 von 26), während bei den betreuten Schizophrenie-Patienten zu 45% (30 von 67) RNA- und/oder BDV-Antikörper nachgewiesen werden konnten (80).

Unsere eigenen Untersuchungen von Klinikpersonal in Berlin (n=20), das schwerkranke psychiatrische Patienten betreute, die eine hohe Rate aktivierter BDV-Infektionen aufwiesen, kann die diesbezügliche chinesische Untersuchung vorerst ebenfalls nicht bestätigen. Wir fanden 0% Seropositive und nur bei einer Betreuerin, die zum Untersuchungszeitpunkt an einem respiratorischen Infekt litt, einen schwachen kurzzeitigen Antigenbefund.
Ob für Familienangehörige, die in enger häuslicher Gemeinschaft mit infizierten Patienten leben, mit zunehmender Dauer eine signifikant erhöhte Infektionsgefahr besteht, müsste durch weitere Untersuchungen genauer geklärt werden. Im Rahmen einer japanischen Studie von 1996 zur BDV-Infektion bei Patienten mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS) war immerhin über den simultanen Krankheitsausbruch bei 3 von 5 Familienmitgliedern berichtet worden, die alle BDV-RNA-positiv waren (88).

Der bisherige Mangel an aussagekräftigen epidemiologischen Untersuchungen erklärt sich größtenteils aus den Schwierigkeiten, die die BDV-Diagnostik mehr als die Diagnose anderer Viruserkrankungen belastet und die aus den Eigenschaften des Virus selbst zu erklären sind.

Die Notwendigkeit der Gewinnung weiterer Virusisolate zur molekularbiologisch gestützten Abklärung von Infektketten und Transmissionswegen wurde oft genug hervorgehoben. Die wenigen, jedoch prägnanten Mutationen, die Humanviren von tierischem BDV unterscheiden (22, 44, 24), haben die Wahrscheinlichkeit bislang eher verringert, dass die BDV-Infektion des Menschen (bezüglich ihrer Hauptinfektionsquelle) eine Zoonose sein könnte.